Kunath´scher Hof in Wachau- ein zum Leben erwecktes Denkmal

 

Wachau – ein klassisches Waldhufendorf im Radberger Land, nur 5 km von Radeberg entfernt, gehört heute zum Landkreis Bautzen. Der Ort war jahrhundertelang durch Ackerbau und Viehzucht geprägt, davon zeugen die oft nur noch rudimentär erhaltenen Dreiseitenhöfe, dazu einige kleinere Siedler- und Häusleranwesen. Zu den Höfen gehören jeweils ca. 15 – 25 ha Land und Wald.

 

Bereits in DDR- Zeiten wurden die Bauernhöfe durch den Neubau von großen Kuhställen für 400 und 800 Milchkühe ihrer eigentlichen Funktion beraubt. Doch fast auf allen Höfen gab es noch ein wenig individuelle Landwirtschaft mit Bullenmast, Schafen, Schweinen und Geflügel, wodurch Ställe und Scheuen noch etwas genutzt wurden. Das fiel dann nach der Wende fast vollständig weg, Wiedereinrichter mit Tierhaltung gab es in Wachau praktisch keine, so dass Stallungen und Scheunen kaum noch ihre ursprüngliche Funktion hatten.

 

Die Ställe in den Wohn/ Stallgebäuden haben inzwischen unterschiedlichste Funktionen, sie fungieren als Abstell- oder Heizraum, als Garage, als Party- oder Wohnraum. In einigen wenigen Fällen sind die Ställe noch unverändert vorhanden, wenn auch ohne die ursprüngliche Nutzung.

Schlechter steht es um die ehemaligen großen Scheunen, die früher für das Getreide, Heu, Stroh und Landmaschinen da waren. Viele sind inzwischen dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen, einige sind kurz davor, andere wurden ausgebaut zu Wohnzwecken, Werkstätten oder Garagen.

Einen der letzten noch weitgehend original erhaltenen Dreiseithöfe konnte ich 2005 erwerben, den sogenannten „Kunath´schen Hof“, benannt nach den 3 letzten Generationen der Besitzer.

 

Das Wohn/ Stallgebäude wurde allerdings bereits 1935 von einem Fachwerkgebäude zu einem massiven Ziegelbau im Stil der 30er Jahre umgebaut. Dabei blieben Raumhöhen und Dachstuhl unverändert, allerdings entstanden größere viergeteilte Fenster.

Das Auszugshaus von ca. 1820 blieb als Fachwerkhaus mit inliegendem Pferdestall weitgehend original erhalten, war allerdings wegen morscher Deckenbalken seit 1959 baupolizeilich gesperrt und eine Abbruchgenehmigung von 1995 lag vor, damit war zunächst auch der Denkmalschutz erloschen. Seit 2017 wird das Auszugshaus denkmalgerecht saniert, zunächst im Rahmen einer Notsicherung des Mauer- und Fachwerks und mit Unterstützung der Unteren Denkmalschutzbehörde. Derzeit ist die Notsicherung abgeschlossen und das Haus befindet sich im Rohbauzustand. Ca. 60% aller Fachwerk- und Deckenbalken mussten erneuert werden, der Dachstuhl wurde stabilisiert. Geplant ist die weitere Sanierung und der Ausbau zu einer kleinen Herberge mit 3 – 4 Zimmern, einer Küche, einem Sanitärtrakt und einem Gemeinschaftsraum mit historischen Kachelofen.

 

Bliebe noch die große Scheune, 36 m lang, 9 m breit und zunächst leer und völlig ohne Nutzung. Aber sie war nicht ganz leer, es gab noch 2 alte Dreschmaschinen aus der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Eine ist fest eingebaut und erstreckt sich über 2 Etagen und eine ist fahrbar, 7 m lang mit angegliederter Strohpresse.

Ursprünglich hatte ich vorgesehen, die Scheune als Pferdestall für den Wachauer Verein Wunder Land e. V. umzubauen und zur Verfügung zu stellen. Da sich für den Verein ein anderes, besser geeignetes Objekt fand, entstand die Frage, was soll mit der ungenutzten Scheune geschehen?

Zunächst musste sie vor dem endgültigen Verfall gerettet werden. Dazu wurde in den Jahren 2006 – 2009 das Fachwerk saniert, d. h. zahlreiche Balken ausgetauscht, das Fachwerk neu mit Lehm ausgemauert und ein Lehmaußenputz aufgetragen. Der südliche Giebel einschließlich 10 m vom Dachstuhl musste komplett abgebrochen und neu errichtet werden, hier hatte der große Holzbock zugeschlagen, die Hölzer waren obwohl jünger hier wesentlich stärker geschädigt. Auch der Fußboden in der ersten Etage war praktisch nicht mehr begehbar, es wurde mit Rauhspund komplett neu gedielt.

 

Inzwischen wird die Scheune als „Museumsscheune“ seit 3 – 4 Jahren für öffentliche Veranstaltungen des Wunder Land e. V. zum „Tag des offenen Denkmals“, zum sogenannten „Schafwolllenz“, einer Art öffentlichem Schafschurfest im Frühjahr und zur „Wachauer Dorfweihnacht“, die auf dem Hof und in der Scheune stattfindet, genutzt. Zu diesen öffentlichen Veranstaltungen können jeweils mehrere 100 Besucher begrüßt werden. Besonders bei jungen Leuten mit kleinen Kindern kommen unsere Feste sehr gut an, ein Zeichen dafür, dass sich die Menschen nach Ursprünglichkeit, Echtheit und Tradition sehnen in Anbetracht einer zunehmenden Entfremdung in Beruf und Gesellschaft, einhergehend mit der geradezu „angebeteten“ Digitalisierung aller Lebensbereiche.

 

In der Scheune befindet sich inzwischen eine Sammlung von bäuerlichem Gerät und Haushaltsgegenständen aus der Region der letzten 100 Jahre, geordnet nach Themenbereichen wie „Getreide“, „Milch“, „Wäsche“ oder „Nutztierhaltung“. Grundstock der Sammlung bilden die bereits erwähnten 2 Dreschmaschinen, welche durch das Landesdenkmalamt zu technischen Denkmalen erklärt wurden.

Neben den öffentlichen Veranstaltungen mit immer großer Resonanz finden gelegentlich auch kleinere Veranstaltungen statt, so gab es schon private Geburtstagsfeiern, Klassentreffen, eine Hochzeit sowie themenbezogene Projekttage von Schulklassen. Perspektivisch kann die Scheune nach Fertigstellung des Auszugshauses noch besser genutzt werden, weil dann auch ein Sanitärtrakt zur Verfügung steht und eine kleine Küche. Der Gemeinschaftsraum, die ehemalige Wohnstube im Auszugshaus soll für kleinere Veranstaltungen wie Lesungen oder dorfgeschichtliche Vorträge mit genutzt werden.

 

Grundidee des Ganzen ist u. a., dass nur ein mit Leben erfülltes Denkmal eine Zukunft hat und dass ein solches lebendiges Denkmal zur Bereicherung des Lebens auf dem Lande einen guten Beitrag leisten kann. Steffen Jakob